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Olympia

Der Kampf der Sportler mit der Religion

  • Bildfamilie Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani
  • BildfamilieWodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani
    Wojdan Shaherkani / Quelle: reuters
    (06.08.2012 Quelle: reuters)
    von Ralf Paniczek, London


    Ihr Auftritt hat Geschichte geschrieben, auch wenn sie vom Gold ganz weit weg war. Die Judoka Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani ist die erste Frau aus Saudi Arabien, die an Olympischen Spielen teilnehmen durfte. Es war ein Herzenswunsch des IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Und doch hätten kulturelle Bedürfnisse im Konflikt mit Sportregeln diesen Auftritt beinahe zu Nichte gemacht.

    Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani wollte mit Kopftuch antreten. Der internationale Judoverband sah darin eine mögliche Verletzungsgefahr und drohte mit Startverbot. Der Fall wurde zu einem olympischen Politikum. Erst in letzter Sekunde konnte das IOC nach Absprache mit der Athletin und dem internationalen Verband eine Sonderreglung finden. Die 16-Jährige Judoka durfte mit einer speziellen Kopfbedeckung antreten.

    Schon Monate vor Beginn der Spiele hatten sich die Organisatoren der Spiele mit vielen anderen kulturell-religiösen Fragen beschäftigen müssen. Dürfen gläubige Sikhs entgegen den Sicherheitsbestimmungen ihren traditionellen Dolch tragen?

    3000 Muslime bei Olympia

    Und wie sollen die rund 3000 muslimischen Athleten ihre Leistung vollbringen können, obwohl die Olympischen Spiele in London im Fastenmonat Ramadan stattfinden? Gläubige Muslime dürften da eigentlich erst nach Sonnenuntergang essen und trinken. Ob dadurch die Leistung der Athleten beeinträchtigt ist oder nicht, darüber streiten sich die Wissenschaftler.

    Mohamed Shibi, Mitglied des britischen Ruderteams, verzichtet auf das Fasten. Dies sei eine persönliche Entscheidung zwischen ihm und seiner Familie. "Ich wollte mir nicht die Chance vermasseln, in ein Boot zu kommen. Ich bin der erste aktiv seinen Glauben ausübende Muslim, der für Großbritannien rudert. Einerseits ist es eine Ehre, andererseits ist es auch etwas schade", sagte er im Interview mit der BBC.

    Spenden statt fasten

    Shibi hatte für sich beschlossen, sein Nicht-Fasten durch eine gute Tat auszugleichen. Er spendet für runde 1800 Bedürftige in Marokko Essen. "Es gibt mir das Gefühl, etwas getan zu haben."

    Andere Muslime haben für sich entschieden, auch während der Spiele zu fasten. Um auch ihnen eine bestmögliche Betreuung zu garantieren, lassen die Organisatoren die Küchen im olympischen Dorf 24 Stunden geöffnet.

    Keine Sonntagsarbeit

    Jonathan Edwards  / Quelle: dpa

    Jonathan Edwards
    Quelle: dpa

    Dafür hatte auch Jonathan Edwards gesorgt, der im Organisationsteam der Spiele von London auch für das Athletendorf zuständig ist. Edwards ist selbst Olympiasieger (2000 in Sydney) und zweifacher Weltmeister. Zudem hält er einen der ältesten Weltrekorde der Leichtathletik. 1995 sprang der Brite im Dreisprung 18,43 Meter weit.

    Die Liste seiner Erfolge hätte aber noch länger sein können, denn er weigerte sich jahrelang, sonntags an Wettkämpfen teilzunehmen. Während seiner Karriere war Edwards gläubiger Christ, nannte seine Kinder Samuel und Nathan. Als aber bei der Weltmeisterschaft 1993 der Dreisprung an einem Sonntag stattfand, änderte er eine Haltung.

    "Innere Ruhe"

    Die Religion gab mir die ausgeprägten innere Ruhe, weil ich die Sicherheit hatte, dass meine Resultate in Gottes Hand liegen und dass Gott an meiner Seite ist", sagte der Brite damals. Eine Sicht, die auch anderen gläubigen Sportlern bei den Spielen in London helfen kann.

    07.08.2012
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